Die Geschichte des Deutschen Ordens

Der Deutsche Orden

Ordo fratrum domus hospitalis Sanctae Mariae Teutonicorum in Ierusalem

Deutschordensritter

Der Orden der "Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" hat seinen Ursprung im Heiligen Land. Im Jahre 1190 errichteten Bürger aus Bremen und Lübeck vor dem belagerten Akkon ein Feldspital zur Pflege kranker und verwundeter Kreuzfahrer. Als vorzüglichsten Namen wählten sie "Hospital Sankt Mariens der Deutschen zu Jerusalem", hoffend, in der hl. Stadt Jerusalem das Haupthaus errichten zu können. Papst Clemens III. gewährte der neuen Bruderschaft am 6. Februar 1191 den päpstlichen Schutz. Diese Hospitalbruderschaft nannte sich später "Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem". Ihr Ideal war, den Pilgern Stütze zu sein und den hilfsbedürftigen Menschen um Christi willen in selbstloser Liebe zu dienen.

Im Jahre 1198 wurde die Hospitalbruderschaft in einen Ritterorden umgewandelt und von Papst Innozenz III. am 19. Februar 1199 bestätigt. Dadurch erfuhr die Hilfe für Kranke und Pilger keine Minderung, vielmehr erweiterte sich der Aufgabenbereich des Ordens: in der mächtig werdenden Not zur Zeit wurde ihm zusätzlich die Aufgabe zugewiesen, den christlichen Glauben gegen die Feinde Christi zu schirmen. Zur Erfüllung dieser bedeutenden Aufgabe wurden seit Gründung auch Priester in die Gemeinschaft aufgenommen; diese bestärkten die Brüder im Glauben und standen den Kranken bei; sie trugen wesentlich dazu bei, dem Orden den Charakter eines geistlich-ritterlichen Instituts zu bewahren.

Papst Coelestin III. verleiht dem Deutschen Orden das schwarze Kreuz (1191)

So ergab sich bereits in der Gründungszeit der Aufbau des Ordens, wie er über Jahrhunderte Bestand hatte: Ritter, Priester und "dienende Brüder", geeint in einer gemeinsamen Aufgabe. Zu deren besseren Erfüllung nahm der Orden auch Schwestern auf, die durch die Bulle des Papstes Innozenz VI. vom 11. Dezember 1358 als Glieder des Ordens erklärt und aller Privilegien, Exemtionen und Ablässe, die der päpstliche Stuhl dem Orden zugestanden hatte, teilhaftig gemacht wurden. Zu den Profeßmitgliedern kamen Familiaren als Helfer und Wohltäter. Die Brüder lebten nach der Regel der Templer, bezüglich Krankendienst wurde die Regel der Johanniter befolgt. Anleihen für Struktur und Leben im Orden wurden auch von den Dominikanern bzw. den Konstitutionen der Zisterzienser genommen und dem eigenen Zweck angepaßt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden daraus Prolog, Regel Statuten und Gewohnheiten des Ordens, die 1442 und 1606 überarbeitet wurden. Der selbstlose Einsatz der Mitglieder der jungen Ordensgemeinschaft für die leidenden und hilfsbedürftigen Menschen löste bald eine Fülle von Schenkungen an sie aus und bewirkte damit die rasche Ausbreitung des Ordens über den ganzen Mittelmeerraum und die benachbarten Länder. So entstanden Kommenden und Hospitäler im Heiligen Land und Zypern, Griechenland und Italien, Spanien und den Niederlanden, im Römisch-Deutschen Reich und im baltischen Raum. Gleichzeitig mit der Aufbauarbeit im Heiligen Land unter Hermann von Salza begann für den Orden seine auf Jahrhunderte bedeutendste und bewunderte Leistung in Preußen und Livland. Dort errichteten die Brüder einen Staat abendländischer Ordnung, der christliches Weltgefüge bis in die wirtschaftlichen Formen hinein konkret verwirklichen sollte.

Zwei Orte verkörpern die beiden gleichzeitigen Aufgabenbereiche des Ordens: Marienburg und Marburg. Marienburg als Symbol für den Staat, dessen Fahne das Kreuz trug; Marburg, wo die Heilige Elisabeth im Hospital gewirkt hatte, als Symbol für den stillen Dienst am Kranken, Armen und Hilfsbedürftigen. Jahrhunderte gingen ins Land. Der Ordensstaat wurde in ein weltliches Herzogtum umgewandelt, Livland ging gleichfalls verloren. Nur die übrigen Besitzungen verblieben dem Orden, dem seit dem 16. Jahrhundert auch evangelische und calvinistische Ritter angehörten. Schließlich verlor er alle seine Güter im Reich und konnte nur noch in den österreichischen Erblanden fortbestehen. Mit dem Untergang zeitbedingter Formen erlebte der Orden innere und äußere Erschütterungen, der Kern der Idee und das Ziel des Ordens aber blieben erhalten.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts fand der Orden eine tiefgreifende Erneuerung unter dem Hochmeister Erzherzog Maximilian und durch den Priester Peter Rigler. Zur Wiederbelebung des caritativen Wirkens des Ordens wurde 1842 das mittelalterliche Institut der "Schwestern vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" erneuert. Papst Pius IX. bestätigte am 1. Juli 1854 die "Regeln der Schwestern vom Deutschen Haus Sankt Mariens zu Jerusalem". Durch den Großkapitelbeschluß vom 15. Dezember 1855 wurde das Schwesterninstitut dem Deutschen Orden inkorporiert. Die Schwestern sollten den Kranken und Hilfsbedürftigen dienen und sich dem Unterricht und der Erziehung der Jugend widmen. Die Priesterschaft des Ordens wurde durch die Errichtung von Priesterkonventen, wo das gemeinschaftliche Leben gepflegt wurde, erneuert. den Priestern wurde die geistliche Führung der Ordensschwestern und die Leitung der karitativen Anstalten sowie die Seelsorge in den Pfarreien des Ordens zugedacht. Am 14. Juli 1871 bestätigte Papst Pius IX. die "Regel der Konventsbrüder des Deutschen Hauses unserer lieben Frau zu Jerusalem für die dem Hochmeister unmittelbar unterstehenden Priesterkonvente". Die Ritterbrüder entfalteten eine segensreiche caritative Tätigkeit, vor allem im Sanitätsdienst. Zur Unterstützung des Sanitätsdienstes wurde 1866 das Institut der Ehrenritter eingeführt und 1871 der Marianische Hilfsverein des deutschen Ordens (Marianer) ins Leben gerufen. Bedingt durch die Umwälzungen nach dem Jahre 1918 mußte der Ritterorden in einen (rein) geistlichen Orden umgewandelt werden. diese Umwandlung wurde ermöglicht durch Riglers Reform der Priesterschaft und die edle Haltung des Hochmeisters Erzherzog Eugen. Die Regel der Brüder wurde den Bedürfnissen der Zeit und dem geltenden Kirchenrecht angepaßt und am 27. November 1929 durch den Apostolischen Stuhl feierlich bestätigt. Auch die Regeln der Schwestern wurden überarbeitet und am 17. November 1936 vom Heiligen Stuhl definitiv approbiert. Die Schwestern bleiben weiterhin als Kongregation dem Deutschen Orden inkorporiert, deren Generalleitung dem Hochmeister mit dem Generalrat untersteht. Durch den Rückgriff auf das mittelalterliche Familiareninstitut sollte das Laienelement für den Orden in zeitgemäßer Form zum Tragen kommen, indem Laien und Priester als Familiaren oder Ehrenritter dem Orden affiliert werden konnten. Brüder, Schwestern und Familiaren versuchten einen neuen Anfang, der jedoch durch die nationalsozialistischen Machthaber zum Großteil zerstört wurde.

Bei der Patronin hilfesuchender Ritter

Nach 1945 beginnt der Orden neu, die Inspiration seines Ursprungs auch für unsere Zeit wirksam werden zu lassen. Auch das Statut der Familiaren wurde neu gefaßt und durch den Apostolischen Stuhl am 22. September 1965 erstmals und am 5. April 1979 endgültig bestätigt und am 25. März 1986 dem kirchlichen Gesetzbuch angepaßt. Das II. Vatikanische Konzil forderte eine Zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens. Demgemäß wurden auch die Regeln des Deutschen Ordens im Geiste des Konzils und zurückgreifend auf das Erbgut überarbeitet, in Regeln und Statuten gegliedert und von mehreren Generalkapiteln gutgeheißen; am 18. Juni 1977 wurden sie vom Apostolischen Stuhl bis zur Promulgation des Codex Iuris Canonici approbiert. Schließlich wurden die Regeln und Statuten der Brüder mit den Durchführungsbestimmungen zum apostolischen Statut der Familiaren und die Lebensregeln und Statuten der Schwestern durch das Generalkapitel in Lana vom 29. August bis 30. September 1988 den Bestimmungen des neuen Kirchenrechtes angepaßt, und vom Apostolischen Stuhl durch Dekret von 11. Oktober 1993 approbiert. Die Gründung des Ordens gab Antwort auf eine Konkrete Notlage des Ortes und der Zeit. Die Inspiration, die über dem kleinen und zunächst so zeitgebundenen Beginnen des Ordens lag, erwies sich als Anruf Gottes an Menschen, die bereit sind, in der Nachfolge Christi an seinem Erlösungswerk mitzuarbeiten. Im Vernehmen des göttlichen Anrufes und im demütigen Dienen nehmen sie teil an Christi Heilstat. in der Ausrichtung ihres Lebens auf den Herrn werden sie Diener seines Reiches. Im Mildern der Not, in der Pflege der Kranken und Alten, im Helfen und Heilen findet diese Ausrichtung sinnfälligen Ausdruck. Zu allen Zeiten und durch die Wirrnisse der Geschichte hindurch haben die Mitglieder des Ordens an dieser Inspiration ihres Ursprungs festgehalten. Der Kampf mit dem Schwert war eine zeitgebundene Form, die nur aus dem Geist jener Zeit zu verstehen ist. Doch echte Ritterschaft kennt nicht nur diese zeitgebundene Form des Schwertkampfes, die vergangen ist; vielmehr ist der Einsatz für Christi Reich, der Schutz der Wehrlosen, die Hilfe für den Mißhandelten, Bedrängten, Verachteten und Notleidenden die eigentliche Haltung des ritterlichen Menschen. Daß die Mitglieder des Ordens zutiefst von dieser Haltung des Dienstes am Mitmenschen erfüllt waren, kommt im Zeichen des Kreuzes zum Ausdruck, das sie sich wählten und für würdig befunden wurden. Als das schwarze Kreuz auf den weißen Mantel geheftet wurde, machte dies sichtbar, daß sie sich in die unbedingte Nachfolge des ans Kreuz genagelten Welterlösers hineinbegaben. Bis in unsere Tage hat sich die Geschichte unseres Ordens mit dem Kreuz und unter dem Kreuz vollzogen. In den Vernichtungen und Zerstörungen, die der Orden erleben mußte, ist immer wieder das Kreuz sichtbar geworden.

So ist die Geschichte des Deutschen Ordens ein Weg zur Vollendung der Hingabe ans Kreuz und damit zur Glorie des Kreuzes. Dieser hingebende Dienst, der vielfältige Formen annehmen kann, geschieht im Verborgenen, wie auch das Reich Gottes im Verborgenen wächst, aber auf seine Offenbarung und Vollendung hin.


 
back to index